Außenaufnahme der Alten Teppichfabrik in Alt-Stralau (Foto: Miriam Keuter / radioBERLIN 88,8)
Bild: Miriam Keuter / radioBERLIN 88,8

- Die alte Teppichfabrik in Stralau

Einst war sie eine der bedeutendsten Teppichfabriken Berlins. Nach der Wende wurden hier teilweise wilde Partys gefeiert. Jetzt hat ein neuer Investor andere Pläne für das Areal.

Vom Fischerdorf zum Industriestandort

Die 1865, also noch vor Fertigstellung der Ringbahn, gegründete Fabrik war die erste Industrieanlage in Stralau. Sie leitete die Strukturveränderung der Halbinsel vom Fischerdorf und Erholungsgebiet zum Industriestandort ein.

Der Betrieb gehörte zu den bedeutendsten Teppichfabriken Berlins: Ihr Gründer M. Protzen hatte den bisher nur in England angewandten Kettendruck in Deutschland eingeführt. Dieses Verfahren erlaubte die massenhafte Herstellung bis dahin nur in geringer Anzahl herstellbarer Muster.

Von der ehemals viel größeren Anlage haben sich der Fabrikbau aus dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts, die Fabrikantenvilla mit der zugehörigen Remise sowie ein Teil des Villengartens erhalten.

Eigener Stil

Eine hohe Erdgeschosszone wird durch Rundbogenfenster hervorgehoben, während die oberen Geschosse durch Lisenen zwischen den Fensterachsen gegliedert ist. Die ganze Fassade ist horizontal durch gelbe Ziegelbänder aufgelockert. Die Geschosse im Innern sind durch dreischiffige Hallen mit durchgängigen Eisenstützen gekennzeichnet, die noch heute erhalten sind.

Das Ensemble ist denkmalgeschützt. Unmittelbar neben dem Fabrikgebäude befindet sich die ehemalige um ca. 1900 errichtete Fabrikantenvilla, die auch als Verwaltungsgebäude diente. Sie ist von der Straße zurückversetzt und umschließt zusammen mit einer Remise einen Hof.

Zukunftspläne

In den letzten Jahren wurde auf der Halbinsel Stralau eine Wohnung nach der nächsten gebaut. Die denkmalgeschützte Teppichfabrik wurde zwischenzeitlich als Eventlocation vermietet.

Doch seit 2015 gibt es einen Investor für das Gelände und der will Luxuswohnungen auf dem Areal errichten.

Stand: 24. Mai 2017

Das könnte Sie auch interessieren

Baustelle Fahd Akademie in der Charlottenburger Glockenturmstraße; Foto: radioBERLIN/Miriam Keuter
radioBERLIN/Miriam Keuter

Ehemalige Kita in der Glockenturmstraße im Westend

Bis 2006 war hier eine städtische Kita. Die saudische Regierung kaufte das Gelände und wollte dort Wohnungen für ihre Diplomaten und eine Schule für deren Kinder errichten. Doch jetzt haben sich die Pläne für die Nutzung des Gebäudes geändert. Der Bezirk will eine Grundschule.

Aussenansicher der Alten Post in Neukölln (Foto: radioBERLIN 88,8 / Doris Anselm)
radioBERLIN 88,8 / Doris Anselm

Die Alte Post in Neukölln

Seit 2006 steht das Gebäude im Privatbesitz einer italienischen Familie leer. Jetzt gibt es einen neuen Investor und mit ihm auch konkrete Nutzungspläne.

Ehemaliger Milchhof in Heinersdorf

Zu DDR-Zeiten wurde hier Ost-Berlin mit Milch versorgt. Nach der Wende formierte sich die Emzett-Molkerei, eine Produktionsstätte der Meierei-Zentrale. Jedoch kam am 30. September 1996 die Schliessung.

Wikimedia/CC/Michael G. Schroeder

Lichtenberg - Ehemalige Liegenschaft der UDSSR

Mitten in einem Wohngebiet steht ein Gebäude, dass vollkommen gerunter gekommen ist. Der Eigentümer, die russische Föderation, möchte aber kein Geld für das Gebäude, sondern es lieber gegen eine andere Immobilie in Berlin tauschen.