Aussenfassade des Umweltbundesamtes (Foto: Miriam Keuter / rbb 88.8)
Bild: Miriam Keuter / rbb 88.8

- Umweltbundesamt

Seit fast zehn Jahren stehen der kaiserlicher Prachtbau an der großen Straße Unter den Eichen in Dahlem und der mehrstöckige Anbau aus den 1960ern leer. Zuletzt war das Gebäude der Sitz des Bundesinstitutes für Risikobewertung.

Nun soll hier übergangsweise das Umweltbundesamt einziehen. Dafür wird der 60er Jahre Anbau abgerissen. Hinter den beiden Häusern verbirgt sich bewegte deutsche Geschichte.

Beide Häuser gehören zum einem Ensemble aus 18 Gebäuden auf dem sogenannten Dahlemer Dreieck. Eine vier Hektar große dreieckige Fläche, zwischen Thielallee, Unter den Eichen und der Boetticherstraße.

Zuerst war hier das kaiserliche Gesundheitsamt drin. Das Gebäude mit seinem Zwiebelturm und der Ziegelsteinfassade wirkt noch heute imposant, wenn auch es von der Straße kaum wahrgenommen wird. Das Gebäude, um 1903 erbaut, war Teil der ursprünglichen Anlage der Bakteriologischen Abteilung und Veterinär-Abteilung des kaiserlichen Gesundheitsamtes. Robert Koch der 1880 ans Gesundheitsamt berufen wurde, forschte hier auf dem Gebiet der Tuberkulose.

Unter der nationalsozialistischen Diktatur wurden die Einrichtungen für menschenverachtende, rassenideologische Forschungszwecke vereinnahmt. Die hier gelegene "Rassenhygienische und Bevölkerungsbiologische Forschungsstelle" betrieb die vollständige Erfassung der Sinti und Roma in Deutschland und führte an ihnen anthropologische Untersuchungen durch, um ihre rassische Minderwertigkeit zu belegen für die spätere Zwangssterilisation und Vernichtung. Eine Gedenktafel am Zaun auf der Ecke Boetticherstraße erinnert an dieses dunkle Kapitel.

Nach dem Krieg waren die Gebäude Sitz des Bundesgesundheitsamtes. Die Behörde wurde aber nach dem Skandal um HIV verseuchte Blutkonserven 1994 von Bundeskanzler Helmut Kohl aufgelöst. Seine Aufgaben gingen auf drei Nachfolgeinstitute über.

Zukunftspläne

Ab 2026 soll das Umweltbundesamt (UBA) hier einziehen und forschen. Allerdings nur übergangsweise, genauer gesagt, bis die Bauarbeiten an den beiden Berliner Standorten des UBA, in Marienfelde und Grunewald fertig sind. Das heißt, das UBA bleibt nur paar Jahre, dann werden die Flächen an andere Bundeseinrichtungen vermietet.

Für das UBA wird der alte 60er Jahre Anbau abgerissen und durch einen neues Labor- und Verwaltungsgebäude ersetzt. Das ist das Ergebnis eines Wettbewerbs, der Ende Mai entschieden wurde. Das denkmalgeschützte alte Nachbarhaus wird saniert. Laut Ausschreibung ist eine Kostenobergrenze von 39,5 Millionen Euro festgelegt worden.

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