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Die rbb Mediathek auf einem Tablet | Bild: radioeins/Chris Melzer

- Kino & Streaming-Tipps der Woche

Hier gibts regelmäßig Filmtipps von Filmfrau Frauke Gust zu allem was neu im Kino und im Netz ist.

COPSHOP

Der Actionthriller COPSHOP sieht aus wie ein dreckiger kleiner Tarantino: ein bisschen weniger kultig, dafür mit mindestens genauso viel Blut und Geballer und einer tollen jungen schwarzen Polizistin, die allein schon sehenswert ist.

Sie muss sich hier rumschlagen mit gleich zwei Problemfällen: da ist Teddy, ein Betrüger, hinter dem die Mafia her ist, weswegen er sich zur Sicherheit ins Gefängnis einsperren lässt. Ihm auf den Fersen ist ein Profikiller - gespielt von Hollywoodstar Gerard Butler – der schafft es durch einen Trick, direkt in der Zelle nebenan zu landen.

COPSHOP ist Baller-Action im Knast mit coolen Sprüchen vom Meter – nicht wirklich raffiniert, aber doch recht kurzweilig. Gibt's bei Netflix.

WHEN WE WERE KINGS – EINST WAREN WIR KÖNIGE

Boxlegende Muhammad Ali wäre am 17. Januar 80 Jahre alt geworden. Ihm zu Ehren gibt es jetzt die ocarprämierte Doku WHEN WE WERE KINGS – EINST WAREN WIR KÖNIGE im Netz.

Der Film von 1996 ist etwas sehr Besonderes, spannender als viele Spielfilme. Er zeigt den legendären Boxkampf von Muhammad Ali gegen den um einiges jüngeren Schwergewichtsweltmeister George Foreman. Der Kampf fand 1974 in Kinshasa, Zaire - der ehemaligen Kolonie belgisch Kongo statt. Das Spannende an dem Film ist jetzt wie Muhammad Ali in Presskonferenzen und bei öffentlichen Auftritten gegen Kolonialismus und Rassismus wettert - auch gegen die USA teilt er aus und er macht klar, was es für ihn bedeutet, nach Afrika zu kommen - in das Land, aus dem seine Vorfahren einst verschleppt und versklavt wurden.

Toll an der Doku ist auch: viele Musikgrößen sind auch dabei gewesen wie B.B. King und Miriam Makeba. WHEN WE WERE KINGS – EINST WAREN WIR KÖNIGE ist ein irrer Film, eine großartige Verbeugung vor der Legende Muhammad Ali. Gibt’s in der ARD-Mediathek.

VIGIL

Die VIGIL ist ein gigantisches britisches Atom-U-Boot. Nach einem Streit mit dem Käpt‘n wird ein Crew-Mitglied tot in seiner Koje gefunden. Offizielle Version: Drogenmissbrauch, Überdosis. Eine Polizistin, die zur U-Boot-Crew dazu stößt, soll den Fall jetzt in 3 Tagen aufklären. Ohne es zu ahnen, deckt sie dabei eine politische Intrige auf, was nicht nur sie in Lebensgefahr bringt.

Die Story der britischen Miniserie beruht auf mehreren echten Navy-Skandalen und ist super gemacht und wahnsinnig toll gespielt – absolut herausragend! Alle 6 Episoden von VIGIL gibt’s in der ARTE-Mediathek.

Kino-Tipp: SPENCER

Kaum ein öffentliches Schicksal hat uns in den 90ern so erschüttert wie das von Lady Diana Spencer: die junge schüchterne Frau, wird die Gattin des britischen Thronfolgers und verzweifelt daran.

Hollywoodstar Kristen Stewart, die ja mit der oft belächelten Teenie Vampirsaga TWILIGHT berühmt geworden ist, zeigt hier was in ihr steckt: sie macht Lady Di und ihre Krisen hier so lebendig: da ist absolut ein Oscar drin.

Es ist das Jahr 1991, Weihnachten mit der Familie auf dem königlichen Landsitz. Lady Di kommt – wie immer in dieser Zeit - zu spät. Sie hält sich nicht ans Protokoll, sie isst nichts, trägt nicht die für sie herausgesuchten Kleider und das Geschenk vom Gatten Charles: ein wertvolles Perlencollier, ist für sie vergiftet, denn genau das gleiche hat er auch seiner Geliebten Camilla zu Weihnachten geschenkt – so sehen wir wie Lady Di gegen die Kälte und Strenge im Haus Windsors rebelliert.

Gedreht wurde der Film hier bei uns in der Gegend, im Schloss Marquardt bei Potsdam und die königliche Küche, in der von einer ganzen Armee von Köchen die Weihnachtsdinners zubereitet werden, ist in der Max Schmeling Halle aufgebaut worden. Mittendrin ein gigantischer begehbarer Kühlschrank, in den Lady Diana nachts einbricht und ihre Fressattacken befriedigt.

SPENCER ist kein nettes Hochglanzportrait: es geht auch um Bulimie, um Selbstverletzung – das wird oft unheimlich fast wie in einem Horrorfilm. Toll ausgestattet und grandios gespielt - SPENCER ist ganz großes Kino!

Kino-Tipp: MATRIX 4 RESURRECTIONS

MATRIX 4 ist megacool - nach wie vor. Neo – Keanu Reeves jetzt mit langen Haaren und Bart, Carrie-Anne Moss wieder der absolute Knaller als Bikerin dazu sexy Kumpel-Techno -Punks. Einer der wird gespielt vom Berliner Schauspieler Max Riemelt, sehr cool weißblond gefärbt und auch die Musik kommt zum Teil aus Berlin, von Tom Tykwer und erstaunlicherweise gibt es sogar coole neue Sonnenbrillen.

Nach Matrix 3 REVOLUTIONS geht es nun mit der Story weiter: Neos Tod hat alles aus der Balance geworfen. Das haben auch seine Gegner, die Maschinen kapiert und ihn wieder zusammengebaut, um die Matrix zu stabilisieren. Neo weiß aber nichts davon, er weiß nichts von sich und seiner Vergangenheit. Er arbeitet als ein hochdeprimierter Spiele-Entwickler, sitzt den ganzen Tag vorm Rechner, schluckt blaue Kapseln, die ihm sein Doc verschreibt, damit er nicht durchdreht und einfach den neusten Scheiß für den Gamer-Markt erfindet: MATRIX 4 - da ist der Film schön selbstironisch und sehr witzig, als sich da alle drüber unterhalten, was die Matrix überhaupt ist Kapitalismuskritik? Action? Philosophie?

In MATRIX 4 ist alles drin was in einen Matrix-Film reingehört, er sieht großartig aus und es gibt es etwas Neues, nämlich viel, viel Größeres in Sachen LOVE. Toller Film. Einmal reingehen reicht nicht.

DON’T LOOK UP

Das ist eine schöne schwarze Satire. Ein Komet in der Größe eines sogenannten Planetenkillers rast auf die Erde zu und kein anderer als Leonardo DiCaprio versucht das als Wissenschaftler zu verhindern.

Leonardo ist der Typ Prof, der sich am liebsten zwischen seinen Büchern versteckt, eine Studentin von ihm entdeckt aber, dass ein Komet von 10 Kilometern Durchmesser auf die Erde zurast - die Wissenschaftler sehen ein: wir müssen handeln, aber keiner hört ihnen zu!

„Schlechte Nachrichten bringen wir ganz locker“, erklärt ihnen Cate Blanchett als Nachrichten-Sex-Bombe, „negative Gesichtsausdrücke sind zu vermeiden“. Meryl Streep ist als Präsidentin nur an ihrer Wiederwahl interessiert und alle anderen nutzen die reale Bedrohung für ihre eigenen politischen oder unternehmerischen Zwecke. DON’T LOOK UP ist eine superwitzige Verschwörungswahnsinnssatire, passt perfekt in unsere Zeit, sehr lustig. Neu auf Netflix.

DIE KÄNGURU-CHRONIKEN

Das war klar: das KÄNGURU wird ein Star. DIE KÄNGURU-CHRONIKEN sind eine großartig witzige Comedy von Marc Uwe Kling, seit Jahren ein Hit im rbb Radio, entdeckt von FRITZ, dann im Internet und als Hörbuch abgegangen und jetzt gibt’s das KÄNGURU als Spielfilm im Netz.

Und das sieht superklasse wie das Känguru eines Tages vor der Tür in einem Kreuzberger Altbau steht und bei einem etwas schluffigen Typen klingelt. Es will Eierkuchen machen behauptet es: dafür will es sich ein paar Eier ausleihen. Es fehlen allerdings auch Mehl, Milch, eine Pfanne und ein Herd – und ganz plötzlich hat der schluffige Typ einen neuen Mitbewohner: ein hochpolitisches Känguru.

Und das kommt gerade recht, denn der schöne Berliner Altbau, in dem die beiden jetzt in einer Känguru-WG wohnen, steht auf der Wunschliste von einem Immobilienhai (superlustig gespielt von Henry Hübchen), der mit der Abrissbirne unterwegs ist.

Das Känguru zieht mit seinem WG-Kumpel in den Häuserkampf und dabei immer wieder überraschende Hilfsmittel aus dem Beutel: rote Boxhandschuhe gegen Nazis und Schnapspralinen für starke Nerven.

Die KÄNGURU-CHRONIKEN ist ein richtig lustiger Film, gibt’s in der ZDF-Mediathek.

Kino-Tipp: SPIDER-MAN NO WAY HOME

Mit SPIDER-MAN: NO WAY HOME startet der 4. Comichelden-Film, des Jahres und er ist superspinnenmäßig spektakulär! Es gibt so viel überraschende Momente in diesem Film, dass klar ist: Fans werden von ihren Sitzen aufspringen und laut losjubeln im Kino. SPIDER-MAN ist ja eigentlich Peter Parker, ein Junge aus Queens, der noch bei seiner Tante wohnt und versucht, einen Studienplatz zu ergattern.

Er gerät unter Druck durch einen Verschwörungsjournalisten, was ihm, seiner Freundin und seinem besten Kumpel die Bewerbung verhagelt. Beim Versuch, alles wieder gut zu machen, öffnet Spider-Man ganz aus Versehen das Multiverse und holt, nicht nur, die schlimmsten Monster aus der Vergangenheit zurück.

Das ist so grandiose Action, das ist hoch dramatisch und macht dabei soviel Spaß, dass sich SPIDER-MAN: NO WAY HOME direkt an die Spitze der besten Filme des Jahres katapultiert.

ICH BIN DEIN MENSCH

ICH BIN DEIN MENSCH ist ein Film über eine Frau und einen Robotermann, die sich in Berlin ineinander verlieben – Romantik pur? Erstmal nicht!

Die Frau, eine Wissenschaftlerin, ist nämlich total genervt. Dieser Robotermann macht IMMER ALLES GENAU richtig, denn er ist so programmiert: das perfekte Frühstück, der perfekte Sex, er sagt immer genau das, was er glaubt was sie hören will ... die Frau soll das Ding für Forschungszwecke testen, ist aber schon nach kurzer Zeit maximal genervt. Liebe hat sie sowieso nicht auf dem Zettel.

Im Roboter steckt jetzt allerdings der megaattraktive britischen Star Dan Stevens, die Forscherin wird von der tollen Maren Eggert gespielt, die dafür in diesem Jahr den Silbernen Berlinale Bären und die Lola gewonnen hat.

Wie die beiden sich jetzt in einer Plattenbauwohnung, im Pergamonmuseum und im schönsten Berliner Sommer trotzdem emotional näherkommen, das ist eine absolut romantische Story – mit Tiefgang.

ICH BIN DEIN MENSCH gibt’s jetzt in der ARD-Mediathek.

Kinotipp: HOUSE OF GUCCI

Dass Lady Gaga nicht nur eine tolle Musikerin, sondern auch eine gute Schauspielerin ist, wissen wir seit ihrem ersten großen Kinohit A STAR IS BORN. Mit HOUSE OF GUCCI ist la Gagas zweites großes Kinoabenteuer gestartet.

Eine Hauskatze, ein Fuchs und ein Panther – diese drei Tiere hat sich Lady Gaga zum Vorbild genommen für ihre Rolle als Verführerin und Männerjägerin, erzählt sie im Interview. Sie spielt Patrizia Reggiani, die krallt sich in den 70er Jahren in einer Disco den steinreichen Maurizio Gucci, einen Sohn aus dem berühmten italienischen Mode-Clan, der mit Mode allerdings so gar nichts am Hut hat, den sie aber manipulieren, dann aber nicht mehr loslassen kann, als er die Scheidung einreicht. Die Verlassene bezahlt zwei Auftragskiller und lässt ihren Mann ermorden.

HOUSE OF GUCCI erzählt diese wahre Geschichte in ultra luxuriöser Ausstattung. Lady Gaga kommt dabei wie eine klassische Hollywood-Diva rüber – ganz großes Drama, Baby! HOUSE OF GUCCI läuft in den Berliner Kinos.

IN BERLIN WÄCHST KEIN ORANGENBAUM

Mit der Serie 4 BLOCKS ist der Berliner Kida Ramadan zum Superstar geworden, aber nicht nur als mächtiger Pate von Neukölln hat er inzwischen eine Riesenfangemeinde.

Jetzt ist sein erster eigener Film, bei dem er auch Regie geführt hat, im Netz: IN BERLIN WÄCHST KEIN ORANGENBAUM.

Kida Ramadan spielt einen Mann, der nach 15 Jahren aus dem Gefängnis kommt. Er ist tot krank und möchte nur eins: seine Tochter kennen lernen, die er noch nie gesehen hat. Die lebt in Brandenburg und er nimmt sie jetzt mit nach Berlin in seinen Kiez.

Kida Ramadan ist als Kind aus dem Libanon nach Berlin gekommen und in den 80ern in Kreuzberg aufgewachsen. Mit diesem Film zeigt er uns ein Stück von seinem Berlin:

Wir sehen wie gemütlich es im Hinterzimmer von einem typischen Späti sein kann. Neben seinem langjährigen Freund Frederick Lau spielt auch Kida Ramadans Lieblingskoch mit: der Chef von Szene Sushi- Laden KUCHI in der Kantstraße spielt hier einen Brandenburger Nudelpfanne - Imbisswagenbesitzer.

IN BERLIN WÄCHST KEIN ORANGENBAUM ist ein Film, der uns ein neues Stück von Berlins Seele zeigt. Gibt’s in der ARD-Mediathek.